Der Ort, an dem die Zeit stehen bleibt

18.12.2011 Kommentare

Ostsee

Es gibt einen Ort, an dem die Zeit stehen bleibt. Wenn man selbst dort stehen bleibt, hört man sogar, wie die Zeit langsam erstarrt und stehen bleibt. Alles bleibt liegen, Altes bleibt liegen. Gedanken werden weggespült. Kälte ist nicht mehr kalt. Man sitzt und schweigt in den Abend hinein, von Schweigen ganz umhüllt, merkt man gar nicht, wie man nur so da sitzt und es passieren lässt. Während eigentlich gar nichts passiert, passiert so vieles. Als könne man durch Wände schauen und alles, was bisher Mauern erbaut hat, kann durch einen Blick zum Einbruch gebracht werden.
Und noch vor Abendeinbruch spürt man ein anderes Gefühl. Irgendwas ist anders. Irgendwas fühlt sich anders an. Man selbst wird anders. Anders an diesem Ort, der für andere gewöhnlich ist.
Es ist ein Ort, an den man kommt, ohne ein Wort sprechen zu wollen. Und ohne ein Wort sprechen zu wollen, spricht man dennoch in die Ferne, eine in Gedanken erfüllte Leere aus, nach der man sich oft – so lange – so verzweifelt sehnt. Weil man etwas im Alltag vermisst, von dem man hofft, es im Alltag nicht gefunden und alltäglich gemacht zu haben. Doch dort, an diesem Ort, findet man immer, das, was man sucht. Und meist endet die Suche mit einem Lächeln in einer Stille. Und wenn man Glück hat, bleibt das Lächeln stehen, wie die Zeit - wird zum zeitlosen Lächeln, dass uns durch den Alltag hilft und uns einen Horizont zeigt, der für Andere nicht sichtbar ist.


Kommentare

Kommentar verfassen


(*) Pflichtfelder.